Den Zollstock gezückt, gilt die erste Aktion beim Reifenwechsel – noch vor dem Lösen der Radmuttern – dem Profil der Sommerreifen. Ist dieses weniger als 1,6 Millimeter tief, sind die Reifen für den Straßenverkehr nicht mehr zugelassen. Wer dennoch mit abgefahrenen Reifen fährt, riskiert 60 Euro Bußgeld plus einen Punkt in Flensburg. Gefährdet man andere oder verursacht einen Unfall, summiert sich die Geldstrafe gar auf 75 bzw. 90 Euro. Kurzum: Nicht mehr verkehrstüchtige Sommerreifen sind Abfall (Abfallschlüssel 160103) und müssen als solcher sachgemäß entsorgt werden. Das Gleiche gilt auch für beschädigte Reifen oder solche, die älter als zehn Jahre sind.
Der einfachste Entsorgungsweg für Privatpersonen ist, die alten Reifen gleich im Auto- oder Reifenhandel beim Kauf der neuen abzugeben. Gleichsam können Altreifen auf deren Verwertung spezialisierten, zertifizierten Entsorgungsfachbetrieben übergeben werden. In manchen Fällen nehmen auch Wertstoffhöfe ausgediente Reifen gegen ein Entgelt an. Eine illegale Behandlung, Lagerung oder Ablagerung, wie sie leider immer noch viel zu oft vorkommt, kann je nach Bundesland und Zahl der Reifen Bußgelder von bis zu 25.000 Euro nach sich ziehen. Vor allem ältere Altreifen enthalten außerdem häufig Schadstoffe, die zum Teil krebserregend sind und bei falscher Lagerung oder Entsorgung in die Umwelt gelangen können. Insbesondere Reifen, die vor 2010 hergestellt wurden, können bedenkliche Mengen an polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK) aufweisen. In der Gummimischung enthaltenes Zinkoxid wird zudem als gewässergefährdend eingestuft. Aus diesen Gründen ist grundsätzlich davon abzuraten, ausgediente Altreifen als „Spielzeug“ oder Blumenbeet etc. im Garten oder Hof zu nutzen.
In Deutschland fallen jedes Jahr Millionen von Altreifen an. Aktuellsten Zahlen zufolge belief sich der Altreifenanfall von hierzulande zugelassenen Fahrzeugen 2023 auf 439.000 Tonnen. Zusammen mit 12.000 Tonnen Reifen aus der Fahrzeugverwertung sowie 53.000 Tonnen importierter Gebrauchtreifen kamen insgesamt 504.000 Tonnen zusammen. Der Großteil davon wurde stofflich verwertet. Altreifen enthalten neben Gummi auch Textilien und Metall. Diese unterschiedlichen Materialien werden in Recyclinganlagen mittels spezieller Verfahren getrennt und für verschiedene Zwecke weiterverarbeitet. Aus dem recycelten Gummi werden etwa Gummimatten, Isolierplatten, Boden- oder gar Sportplatzbeläge hergestellt.
Knapp zehn Prozent der Reifen wurde zudem runderneuert, indem sie eine neue Lauffläche erhielten. Weniger als ein Viertel kam zwecks thermischer bzw. stofflich-energetischer Verwertung in Zementwerke. Dort dienen sie einerseits als Ersatzbrennstoff (EBS) zur Feuerung der Öfen. Andererseits wird der Stahlanteil in den Altreifen als Eisen-Oxid-Komponente zur Zementherstellung genutzt. Bei einem sehr hohen Anteil des Altreifenaufkommens (mehr als 17 Prozent) war der Verbleib wiederum unklar. Die Initiative ZARE (Zertifizierte Altreifenentsorger) – ein Zusammenschluss aus im Bundesverband Reifenhandel und Vulkaniseur-Handwerk e.V. organisierten Unternehmen – fordert deshalb eine transparente Erfassung der Abfallströme, um beispielsweise illegale Exporte zu unterbinden.
Beim Reifenwechsel geht es jedoch nicht um Reifen allein. Werkstätten prüfen im Zuge dessen in der Regel auch noch Bremsen und Stoßdämpfer. Befinden sich diese nicht mehr in einem verkehrstüchtigen Zustand, müssen auch sie ausgetauscht und schließlich entsorgt werden. Dabei fallen unterschiedliche Abfallarten mit entsprechend variierenden Entsorgungswegen an:
Während etwa Bremsscheiben als einfacher Metallschrott zu recyceln sind, wird es bei Bremsbelägen schon etwas schwieriger. Vor allem Beläge unbekannter Herkunft gelten als gefährlicher Abfall, da sie beispielsweise Asbest enthalten können. Bei Stoßdämpfern muss zunächst das Öl abgelassen und in einem geeigneten Behälter aufgefangen werden, bevor sie sich einer stofflichen Verwertung zuführen lassen. Altöl ist ebenfalls ein Gefahrstoff bzw. Sonderabfall, der je nach Art stofflich oder thermisch (als Ersatzbrennstoff) verwertet werden kann.
Aufgrund der Komplexität der anfallenden Abfälle sollten Werkstätten (nicht nur beim Thema Reifenwechsel) mit zertifizierten Entsorgungspartnern zusammenarbeiten, die eine sichere und rechtskonforme Behandlung aller anfallenden Abfallarten gewährleisten. Einige bieten hierfür Spezialfahrzeuge, die eigens auf einen getrennten, sicheren Transport verschiedener werkstatttypischer Abfallfraktionen ausgelegt sind. Ein Beispiel ist das MOBIWER aus dem Hause REMONDIS Industrie Service.
Quellen
- ADAC: ADAC Ratgeber: Die wichtigsten Tipps zum Reifenkauf
- ADAC: Autoreifen richtig entsorgen: So klappt es mit der Altreifenentsorgung
- REMONDIS: Was gehört zur Abfallart Reifen, was nicht?
- ZARE: Altreifenverwertung & Altreifenrecycling in Deutschland
- ZARE: Altreifenverwertung
- Bußgeldkatalog 2025: Altreifenentsorgung und Autorecycling
- Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit: Asbest in Bremsbelägen
- REMONDIS Industrie Service: Altöl entsorgen: Informationen und Hintergründe zur Altölentsorgung
- Aftermarket: Fachgerechte Stoßdämpfer-Entsorgung
- Autodoc Club: Bremsbeläge: Richtige Entsorgung
- Bayerisches Landesamt für Umwelt: Infoblätter Kreislaufwirtschaft – Gebraucht- und Altreifen